Wiemeringhausen, 3. Oktober – Tobias vom MTBvD Racing A-Team gewinnt in der Jugendklasse den letzten Lauf der Nutrixxion Marathon Trophy und sichert sich so auch den Gesamtsieg 2010 in seiner Altersklasse. Matthias erreicht Platz 6 in der Trophy-Gesamtwertung bei den Herren.
Kalt und windig war es, als das MTBvD Racing A-Team am Sonntagmorgen im sauerländischen Wiemeringhausen zum achten und letzten Lauf der Nutrixxion Marathon Trophy eintraf. Auf der Langstrecke lagen 84 Kilometer und 2.200 Höhenmeter vor den Fahrern. Das Rennen bildete damit nicht nur den Abschluss der Rennserie sondern auch den längsten und mit den meisten Höhenmetern versehenen Marathon. Für Tobias und Matthias stellte der Marathon in Langenberg gleichzeitig auch den Abschluss der Saison 2010 dar.

Keine Marathon ohne ausreichen Flüssigkeit – POWERBAR ist immer dabei
Nach früher Anreise und optimalem Aufwärmprogramm auf den Rollentrainern fiel der Startschuss im Ortskern von Langenberg pünktlich um 10 Uhr. Hier waren beide Fahrer erst mal überrascht von der Masse an Fahrern, die hier auf die Strecke gingen. So hieß es die gesamte Einführungsrunde lang: Überholen, überholen, überholen. Wenigstens wurde es so nicht langweilig, wenn auch oft die Idealspur verlassen werden musste. Gerade in den Abfahrten wurden die Fahrer oft durch langsamere Teilnehmer ausgebremst. An Überholen war auf den teilweise total vermatschen, schmalen Wegen – auf denen es vielerorts gar keine Ideallinie gab – nicht zu denken. Im Verlauf der Woche hatten die Fahrer die POISON Bikes stundenlang geputzt und alles von der Kurbel über das Schaltwerk bis hin zur Federgabel ausgebaut und gereinigt. Doch schon nach wenigen Kilometern waren die POISON Mescalin Rahmen nicht mehr zu erkennen.
Rechts und links tiefer Schlamm, in der Mitte nicht so tiefer Schlamm war passagenweise die treffende Beschreibung für die Strecke. Waren die Temperaturen beim Umziehen noch deutlich kalt, so stellten sie sich während des Fahrens als recht angenehm heraus. Während Matthias in der Vorwoche in Nordenau die ersten Kilometer noch mit deutlichen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, lief es heute von Beginn an bei beiden Fahrern gut: die ersten Stunden blieb der Puls konstant im Volllastbereich bei 180 Schlägen pro Minute.

Steil bergan, steil bergab – das Streckenprofil
Das Streckenprofil zeichnete sich durch einige deutlich steile Rampen mit folgenden steilen Abfahrten heraus. Sowas liegt den beiden jungen Fahrern des MTBvD Racing A-Teams eigentlich gar nicht. Trotzdem machten sie insbesondere auf der zweiten Runde hier die Führungsarbeit für ganze Gruppen von Mountainbikern, die sich in den Anstiegen an ihre Hinterräder gesetzt hatten.
Mit jeder Minute wurde die Sonne stärker und die Temperaturen wärmer. Die Armlinge wurden heruntergekrempelt, das Trikot geöffnet. Für einen Marathon im Oktober war es mittlerweile geradezu heiß. Der Regen der vergangenen Tage hatte sein Werk getan. Im Wald war so mancher Weg ein Bach geworden, die Wurzeln waren rutschig und die Strecke durch die Masse an Fahrern durchpflügt. Auf der Spitze des ersten Anstieges wartete nicht nur ein Skilift sondern auch eine dutzende Meter lange Wurzelpassage, auf der in der ersten Runde aufgrund der zahlreichen langsamen Fahrer, viel Zeit gelassen wurde. Auch die folgende Abfahrt war mit einigen, schmalen Waldwegen versehen. Hier hieß es oftmals eher rutschen als fahren. Die ersten Verpflegungsstationen wurden durchflogen, nach der zweiten folgte ein derart steiler Anstieg, dass nur noch Schieben möglich war.
Kurz vor der ersten Zieldurchfahrt erwischte es dann auf einer Teerstraße Matthias: Bei der schnellen Fahrt durch eine Rechtskurve reißt es ihm in der folgenden Linkskurve das Hinterrad weg, Matthias stürzt, landet halb unter seinem Fahrrad und rutscht mit Bike über den Asphalt. Zur Abwechslung mal wieder auf der linken Seite. Schürfwunden am Knie, am Oberschenkel und am Ellbogen waren die Folge – noch mal Glück gehabt. Denn was den Fahrern erst in der zweiten Runde auffallen wird: Die Kurve war am äußeren, im Schatten liegenden Rand, voller Moosbewuchs – eine schmierige Angelegenheit nach dem vorangegangenen, stundenlangen Regen.
Später war diese Stelle dann mit einem extra Streckenposten besetzt und zusätzliche Warnhinweise auf die Straße gesprüht. Hatten sich doch in der Zwischenzeit hier von der Platzwunde, die im Krankenhaus genäht werden musste, bis hin zur angebrochenen Rippe allerhand Unfälle ereignet. Ein betroffener Fahrer berichtete später gar, dass nur in der Zeit als er nach seinem Sturz dort auf dem Asphalt lag, vier weitere Fahrer zu Fall kamen.
Die Streckensicherung war ansonsten hervorragend. Selbst an jeder Bodenwellen, bei denen man bei Unachtsamkeit aufgrund der hohen Geschwindigkeit schnell aus dem Gleichgewicht gekommen wäre, stand ein Warndreieck.
Aber zurück zu unseren Fahrern: Tobias, der es irgendwie heil durch die Kurven geschafft hatte, war sofort mit einer großzügigen Ladung Sprühpflaster für Matthias zur Stelle. Wir haben ja alles dabei. Ein Mal Pusten und das Rennen konnte weitergehen. Erst mal ging aber nichts – Tobias war schon wieder unterwegs während Matthias noch den Fehler im System suchte, denn an seinem Rad drehte sich nichts. Auf den ersten Blick nicht auffällig, hatte sich die Kette zwischen Rahmen und kleinstem Ritzel eingeklemmt und blockierte den Antrieb. Die Befestigung des Remote Hebels für den Lockout der Magura Durin Race war ebenfalls wieder zu Bruch gegangen und wanderte erneut unter die Startnummer. Beides war alles schnell in Ordnung gebracht – Hose, Überschuhe und Schnellspanner trugen zwar auch ihre Spuren davon, aber es konnte weiter gehen. Matthias: “Minuten später bei der ersten Zieldurchfahrt nicht ins Ziel abzubiegen sondern auf die zweite Runde zu gehen, mit der Aussicht weitere zwei Stunden im Sattel zu sitzen, hat schon ein bisschen Willen benötigt”. Tobias, der die eingeklemmte Kette nicht bemerkt hatte, war jedoch schon auf die zweite Runde durchgefahren und füllte die Trinkflaschen an der Verpflegungsstelle auf, so dass gar keine großen Überlegungen möglich waren und es für beide Fahrer auf die zweite Runde ging.
Das Sprühpflaster hatte zwar sein Werk getan und stoppte das weitere Bluten der Wunde am Ellenbogen, aber jede Erschütterung im Lenker spürte Matthias jetzt natürlich auch in der Wunde. Aber auch Tobias bekam Probleme. An den Verpflegungsstellen gab es nur Wasser oder Fertig-Iso-Getränk, beides mit Kohlensäure. Damit war sein Magen allerdings gar nicht einverstanden.
So war Matthias in den langen Anstiegen damit beschäftigt, seine Schürfwunden zu ignorieren, Tobias versuchte Magenschmerzen und Übelkeit zu unterdrücken. Das machte sich auch in der Durchschnittsgeschwindigkeit bemerkbar. Während die Fahrer auf der ersten Runde noch mit durchschnittlich 19 km/h unterwegs waren, waren es auf Runde zwei nur noch 16,5 km/h. Dabei waren jetzt die auf der ersten Runde noch total verschlammten Passagen durch den stundenlangen Sonnenschein schon etwas eingetrocknet und deutlich flüssiger fahrbar.
Wie immer – auch der letzte, viel zu steile Anstieg war irgendwann vorbei – die letzte Trinkflasche wurde geteilt und dann noch mal alles bis ins Ziel gegeben. Mit Spitzengeschwindigkeiten von 65 km/h ging es ins Tal. Die rutschige Kurve, die Matthias in der ersten Runde zu Fall gebracht hatte, wurde sturzfrei durchfahren und die letzten Trails überwunden. Tobias: “Wir wollten nur noch ins Ziel. Eine Renndauer von mehr als vier Stunden waren eine neue, zu lange Erfahrung”. Als Matthias am wirklich allerletzten Anstieg eigentlich nur zur Entlastung aus dem Sattel ging, winkte Tobias sofort ab: “Kein Sprint, bei mir geht nichts mehr”.
Nach 4 Stunden und 43 Minuten, nach zusammen 10 Powerbar Powergels und nach 88 Kilometern Wegstrecke, war die Saison 2010 für beide Fahrer mit der Zieldurchfahrt vorbei. Tobias belegte damit in der Gesamtwertung der Langstrecke bei 139 klassierten Fahrern den 67. Platz, Matthias den 68. Platz. Damit siegte Tobias als einziger Fahrer der Jugendklasse in seiner Altersklasse. Matthias wurde auf Platz 15 in seiner Altersklasse der Herren bei insgesamt 25 Fahrern der Langstrecke klassiert.

Tobias erhält den Siegerpokal für den Trophy-Gesamtsieg 2010
In der Gesamtwertung der Nutrixxion Marathon Trophy 2010 belegte Tobias damit konkurrenzlos den ersten Platz auf der Langstrecke bei der Jugend. Alle seine anderen Konkurrenten wechselten im Laufe der Saison auf die Kurzstrecke oder wurden aus der Wertung gestrichen.
Matthias konnte sich in der Altersklasse der Herren den 6. Platz in der Gesamtwertung mit 4369 Punkten und somit 631 Punkten Rückstand auf den Führenden sichern. Insgesamt wurden hier 14 Fahrer gewertet.
Nachdem Tobias auch den letzten Rest Powerbar Powergel im Ziel aus den Geltütchen gequetscht hatte und die Bemühungen unter Dusche, große Teile des Sprühpflaster auch wieder vom Arm abzubekommen, erfolgreich beendet werden konnten, ging es zurück ins Ruhrgebiet – eine lange und erfolgreiche Saison 2010 ging mit einem Sonnenuntergang über dem Sauerland und einem Stau auf der A2 zu Ende.
Das MTBvD Racing A-Team bedankt sich schon jetzt bei allen Unterstützern und Sponsoren für die erfolgreiche Saison 2010. In den nächsten Tagen werden wir aber sicherlich noch die ein oder andere Auswertung oder Resumee veröffentlichen. Denn die Saison 2011 kommt ganz sicher.