Lukas Löttert, Maren Flender und Eberhard Schulte siegen beim NRW-Cup Hagen
Ungläubige Blicke als am Samstagmorgen ein ganzer Karton Handtücher in den Laderäumen des rollenden Teils von MTBvD-Castle verschwandt. „Die brauchen wir doch nicht wirklich alle?!“ Wir brauchten. Aber der Reihe nach.
Mit der respektablen Quote von zehn Laufrädern für zwei Fahrer rollte die MTBvD-Logistik am Samstag nach Hagen. Nach fast drei Wochen Krankheit, einer Packung Antibiotika und nur wenigen Grundlagenkilometern über Pfingsten sollte das Hagener 3-Stunden für Matthias zu einer ersten Standortbestimmung werden. Mit dem 12. Platz in der Herrenklasse zeigte er sich im Hinblick auf die letzten Wochen zufrieden: „Ziel war es, zu schauen wie es so läuft – und es lief gut.“
Auch für Tobias, der sonst eher kurze Einheiten gewöhnt ist, sollte das Rennen als Ausdauertest im Hinblick auf das immer näher rückende 24h-Rennen in Duisburg dienen. Zwischendurch verabschiedete sich allerdings seine Sattelstütze in Richtung Sitzrohr. Dank umfassender Support-Crew aber kein Problem: „Eine Gabel würde ich Rennen ja vielleicht nicht kürzen wollen, aber ansonsten haben wir mittlerweile ja wirklich alles in der Techzone auf Lager“, so Tobias.
Die Nacht gestaltete sich für die Fahrer dann mehr als unruhig. Mehrmals weckte der prasselnde Starkregen die Sportler und kündigte die kommenden Herausforderungen an.
Lukas Löttert gewinnt im Schlamm von Hagen
Den Anfang machten zu früher Stunde am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr die Fahrer der Jugend Fun-Klasse. Lukas Löttert, der in Oelde sein Leadertrikot an Tim Hollmann (ATV Haltern) verloren hatte, wollte es in Hagen wieder zurück in den Kleiderschrank holen. Vor dem Start verriet er seine Rennstrategie: „Ich fahre hier Vollgas – und zwar ab Sekunde Null. Entweder das funktioniert oder es gibt ein Desaster.“ Es funktionierte. Lange Zeit sah es jedoch so aus, als ob Tim Hollmann einen weiteren Sieg ins Münsterland holen kann. Lange Zeit duellierten sich die beiden Favoriten an der Spitze. Erst auf der zweiten und letzten Runde konnte sich Lukas absetzen und gewann mit nur wenigen Radlängen Vorsprung.
Vom Pech verfolgt war dagegen Tobias Atzberger. Trotz der Belastung vom Samstag zog er auf der langen Startgeraden aus einer schlechten Startposition am gesamten Feld vorbei und bog als Erster in den Singletrail ein. Dann verabschiedete sich jedoch der hintere Schnellspanner, der Reifen schlug aus und Tobias konnte gerade noch einen Sturz vermeiden. Nach der Reparatur musste er das Rennen als Letzer wieder aufnehmen und arbeitete sich trotzdem noch auf einen respektablen 13. Platz vor und holte damit fast mehr als zehn Minuten Rückstand auf. „Ich hätte hier gerne gezeigt, was ich drauf habe aber das Material hat mir mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch die Saison ist noch lang und ich bin noch nicht müde.“ so sein enttäuschtes aber zuversichtliches Fazit.
Schon die Jugendfahrer hatten im Ziel eine ordentliche Ladung Schlamm an ihren Rädern gesammelt. Doch all dies war noch harmlos. Gegen Mittag öffnete der Himmel die Schleusen. Der Hausmeister begann, den Schlamm mit einer Schaufel aus den Duschräumen zu schaffen und kommentiere seine Bemühungen humorvoll: „Bei den Mädels traue ich mich natürlich erst heute Abend rein, ob ich mir vorher einen Bagger besorgen soll?“.
Maren Flender wo man sie immer findet – ganz weit vorne

Währenddessen pflügte Maren Flender durch den Schlamm auf einer Strecke, die von Minute zu Minute anspruchsvoller wurde. Maren nach dem Rennen: „Der Downhill im Expobereich war am Ende wirklich eine Herausforderung. Erst bin ich gefahren, dann ein Mal fast unfreiwillig geflogen und dann gelaufen.“ Am Ende musste sie sich zwar mit dem vierten Rang und der Holzmedaille geschlagen geben, da die Plätze eins bis drei allerdings alle an nicht NRW-ler gingen, konnte sie trotzdem den Titel der Landesverbandsmeisterin mit nach Hause nehmen.
Beim letzten Rennen des Tages auf der CC-Strecke ging Matthias Heinemann in der Herren Funklasse an den Start. Lange hatte er überlegt, ob er überhaupt starten soll, das Verletzungsrisiko erschien hoch. Im Ziel zog er ein ernüchterndes Fazit: „Ein Wort zur Strecke? Es gibt keine Strecke mehr.“
Trotz der Belastung von Samstag war genügend Kraft vorhanden aber die Bedingungen verhinderten eine bessere Platzierung: „Ich dachte bergauf, ich parke. Du trittst und trittst und es geht trotzdem nicht voran. Die Reifen klebten förmlich im Schlamm.“ Am Ende wurde er auf dem 12. Platz klassiert.
Die hohe Verletzungsgefahr mussten auch die Fun-Senioren erfahren, die schon nach wenigen Minuten auf das Herrenfeld auffuhren. „Die rutschen auch mehr als dass sie fuhren und waren stets damit beschäftigt, nicht vor einen Baum zu knallen. Aber ich provoziere es doch hier nicht, den Tag im Krankenhaus zu beenden“ so Matthias lachend und ergänzt: „Ich bringe für solche Bedingungen und Strecken schlichtweg auch zu wenig Gewicht aufs Rad. Auf den Wurzelpassagen fliegt man dann sofort weg, wenn die Reifen erst mal rutschten.“

Einen besseren Tag erwischte Eberhard Schulte in der Senioren 1 – Funklasse. Er gewann das Rennen souverän vor Mark Steinweger (Nutrixxion) und Roman Köhler (Team-Speiche Witten) und ist bereit für größere Herausforderungen: „Alles in Alles ein erfolgreiches Trainingsrennen. Am Donnerstag geht es jetzt auf die Trans Germany, ich hoffe auf Sonnenschein!“.
Das wirklich letzte Rennen des Tages bestritt dann der MTBvD Nachwuchs beim Lexxi-Schülercup. Das schließlich abgebrochene und annullierte Rennen hinterließ natürlich viele enttäuschte und traurige Gesichter aber wenigstens fanden die jungen Athleten mit MTBvD-Castle einen halbwegs trockenen Platz zum Unterstellen und Aufwärmen.
Nachdem Trikots und Hosen durch einen vierstündigen Aufenthalt in der Waschmaschine wieder vom Schlamm befreit wurden, befindet sich das MTBvD Racing Team jetzt schon wieder in den Vorbereitungen für das kommende, vierte Rennen des SKS NRW Cups in Schmallenberg-Grafschaft im Sauerland. Es ist Sonnenschein angesagt.


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