Die nächste Schlacht wird geschlagen – SKS Cup Grafschaft
Rennbericht von torxTR
Aktuell zieht das MTBvD Racing A-Team jede Woche in eine andere Schlacht. In Hagen wurde das Rennen zur Schlammschlacht, eine Materialschlacht führen wir sowieso immer und jetzt also Grafschaft, der vierte Lauf des SKS NRW Cups – und eine Hitzeschlacht.
Vor allem steile, schonungslos der Sonne ausgesetzte Anstiege kennzeichnen die Strecke im Hochsauerlandkreis. Bergab geht es entweder über ein paar schmale Trails, die sich über Wurzeln um ein paar Bäume schlängeln oder geradeaus und verdammt schnell quer über Wiesen. Eine Strecke also, die weniger technisches Können als Kondition und Ausdauer der Fahrer verlangt.
Und dann war da ja noch die Hitze. Meist müssen die Fahrer der Jugend-Klasse, die um 8.32 Uhr auf die Strecke gelassen werden, so früh am Morgen noch zu Armlingen und Langarmtrikot greifen. In Grafschaft wären sie stattdessen um jedes Kleidungsstück weniger und jeden Zentimeter Reißverschluss mehr froh gewesen. So mancher Fahrer kam denn auch nicht mit diesen ungewohnten Bedingungen klar. Schon nach wenigen Minuten wurde das Feld auseinandergesprengt und die Rückstände wuchsen trotz der kurzen Renndauer von nur zwei Runden in den deutlichen Minutenbereich.
Platz 2 für Lukas, Tobias kämpft mit der Hitze
Unsere beiden Nachwuchsathleten Lukas Löttert und Tobias Atzberger standen daher auch mit gemischten Gefühlen am Start. Gerade Lukas stand als Cup-Führender unter einem besonderen Leistungsdruck: „Ich muss hier mal wieder alles geben, was geht. Der Abstand nach hinten ist hauchdünn, und ich möchte natürlich auch wieder im Führungstrikot abreisen. Und dann noch diese Hitze!“.
„Ich würde schon jetzt gerne duschen, obwohl ich nur 30 Minuten Warm-Up auf dem Rollentrainer hinter mir habe und dabei schon eine gefühlte Badewanne leergetrunken habe. Diese Temperaturen sind gar nicht mein Ding. “, beschrieb Tobias seine Gefühle vor dem Start. Trotzdem erwischte der 16-Jährige einen sensationell guten Start und ging an zweiter Stelle in den ersten Anstieg hinein.
Nach zwei absolvierten Runden sah die Welt jedoch ganz anders aus. Zwischendurch hatte sich mal wieder Tim Hollmann vom Feld abgesetzt und war in das mit zwei Minuten Vorsprung gestartete Feld der Junioren reingefahren. Diesen Vorsprung konnte der Fahrer des ATV Haltern bis ins Ziel retten und holte sich damit die Cupführung zurück. Lukas: „Der hat ein solches Wahnsinnstempo gemacht, wenn ich da drangeblieben wär, hätte ich das Ziel nicht lebend erreicht“. Lukas überlebte und erreichte das Ziel auf dem zweiten Platz, den er jetzt auch in der Gesamtwertung mit nur 25 Punkten Rückstand innehat.
Tobias kämpfte sich schließlich an neunter Stelle mit drei Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel, er hatte unterwegs wegen Kreislaufproblemen auf die Bremse treten müssen. „Bei Puls 195 habe ich dann mal abgeriegelt, das ist viel zu viel für mich. Wir sind ja einiges gewöhnt, aber das war grausam. Ein Wunder, dass hier keiner vom Rad gekippt ist. Am Ende habe ich alles ins Gesicht geschüttet was zu fassen war – Cola, Iso, Wasser total egal.“, so Tobias’ Bilanz des Tages.
Platz 2 auch für Maren Flender
Das MTBvD Racing A-Team hatte zwar vorgesorgt und sorgte mit genau 16,5 Litern stillem Trinkwasser, sechs Litern Sprudel und knapp 380 Liter Brauchwasser dafür, dass die Sportler ihren Flüssigkeitshaushalt im Griff halten konnten. Auf die Sonne hatte man jedoch keinen Einfluss und so musste auch Maren Flender ihr Rennen bei den Frauen der Lizenzklasse ohne eine Wolke am Himmel bestreiten. Nach einer Gesamtzeit von 1:14:11 Stunden kam sie als Zweite ins Ziel: „Der Rückstand war ordentlich. Aber ich konnte mein konstantes Tempo fahren und dieses auch bis zum Ende durchhalten, mit der Hitze kam ich dabei eigentlich ganz gut klar. Umso schöner, dass dabei noch Patz 2 herausgekommen ist“.
Matthias fährt knapp am Podest vorbei
Gut klar mit den warmen Temperaturen kam auch Matthias, dessen Rennen in der Herren Fun-Klasse erst am Nachmittag startet: „Beim Aufwärmen waren die Beine miserabel, es war viel zu warm und ich hatte schon Bedenken, zu viel getrunken zu haben“. Der Start war dann auch eher unglücklich. In der zweiten Reihe aufgestellt war die Kraft zum nach Vorne fahren zwar da, der Weg aber nicht frei. „Aus dem Weg schubsen, ins Schaltwerk fahren oder die – leider eigene – Bremse ziehen waren die Alternativen“, so Matthias. Am Ende ging er dann Mitten im Feld in den ersten Downhill und wurde kräftig ausgebremst. „Der Fahrer vor mir hatte schon im Startblock erzählt, dass er eigentlich nur Rennrad fährt. Das war dann leider auch mehr Parken als Fahren. Selbst auf dem Wiesendownhill ist der gefühlt im Rückwärtsgang gefahren.“* Die Spitzengruppe war also erst mal weg. Weit weg. Aber mit jeder Runde drehte Matthias mehr auf. Während die meisten Fahrer seiner Klasse von zu Runde langsamer wurden, fuhr er mit 13:18 Minuten in der letzten Runde die zweitschnellste Rundenzeit. Bei den schnellen Abfahrten konnte er sich ja auch blind auf seine Magura Marta SL verlassen und erst einige Sekunden vor Einschlag in die Heuballen bremsen. “Ich kam erstaunlich gut zurecht. Die langen, steilen Anstiege liegen mir einfach.”
In der letzten Runde gab es dann noch ein ganz besonderes Erlebnis: „Da bretterst du mit Puls 190 in eine Abfahrt, bist eigentlich sehr mit dir selbst und der Strecke beschäftigt und dann läuft da mitten auf der Strecke ein Hund rum, weil irgendwelche Zuschauer nicht nachdenken. Aber ich bremse auch für Tiere.“ Auch eine kurzfristige Kontaktaufnahme mit einem der schnellen Seniorenfahrer konnte Matthias ohne Sturz beenden.
„Einer unsere Betreuer hat mir beim letzten Trinkflaschenwechsel irgendwas wie „Rückstand Platz drei“ entgegen gerufen. Ich hab’s auf die Hitze geschoben und ihn für wahnsinnig erklärt, aber das stimmte ja wirklich.“ Am Ende stand denn auch ein fünfter Platz für Matthias auf der Rechnung, mit nur sechs Sekunden auf den Vierten und nur 15 Sekunden auf den dritten Platz. So wusste er im Ziel auch nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte: „Eine Runde mehr und ich hätte die beiden auf jeden Fall noch bekommen. Die Beine waren gut, der Kreislauf war hier das Limit. Alternativ hätte ich den Hund umfahren können.“, so Matthias humorvoll.
Unglücklich lief es für Waldemar Fuchs, der sein Rennen in der Senioren-Klasse nach zwei Runden aufgeben musste. Nicht am Start in Grafschaft war Eberhard Schulte, der in der letzten Woche die Bike Trans-Germany bestritten hatte und diese auf einem starken 88. Platz im Gesamtklassement beenden konnte.
Als die Sonne endlich über den Berggipfeln des Sauerlands verschwand, war das Team schon in weiter Ferne. In Rekordzeit hatte man das Equipment zusammengepackt und verladen und bog so gerade auf die A46 ab, als die ersten Regentropfen auf die Windschutzscheibe schlugen.
Nächster Halt: Sympatex Bike Marathon Willingen, 12. Juni


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