24h Duisburg – ein (Erfahrungs-)Bericht von Roger Meihost
Irgendwann im Frühjahr klingelt mein Telefon: „ Hallo Ralf hier, kannst Du im August bei den 24h von Duisburg bei uns im Team mitfahren, mir ist einer ausgefallen?“ Ich habe mir Bedenkzeit erbeten und mit meiner Frau gesprochen, denn dann bin ich wieder ein komplettes Wochenende weg. Nachdem Steffi zu mir sagte, dass ich das doch machen solle, sagte ich dann Ralf zu. Solch ein Event wollte ich eigentlich gar nicht besuchen, irgendwie wurde dafür noch nie mein Interesse geweckt.
Am Vorabend bin ich schon angereist und bin auch gleich mal ins Teamcamp. Nach dem ersten Plausch und einer leckeren Bratwurst und dem Check meiner Liege in meinem zugeordneten Zelt, bin ich erst mal in mein Hotel. Ich wollte zumindest noch eine Nacht gut schlafen. In einem Massenlager herrschen doch andere Bedingungen und ich habe Probleme mit unruhigen Umgebungen.
Morgens dann ab ins Teamcamp, hier wartet schon ein „fast“ leckerer Kaffee (man war der stark) und Frühstück auf mich. Auch meine Teamkameraden trafen langsam ein und das Equipment wurde ausgepackt und gerichtet. Die interne Teambesprechung folgte. Erster Plan, wir fahren bis zur Dunkelheit jeder eine Runde im Rotationsprinzip, in der Nacht immer 2 Runden und wenn es hell wird, wird wieder auf eine Runde umgestiegen. Die Strecke war für mich unbekannt und es wurden auch noch neue Streckenteile eingebaut, deshalb drehten wir noch eine lockere Trainingsrunde über den Parcours. Jetzt ging es dann schon zur offiziellen Teambesprechung mit Stefan Salscheider, daraufhin folgte der Start, der von Andreas übernommen wurde.
Ich wusste nicht, was bei solch einem Rennen auf mich zukommen würde. Ich fahre ja immer nur als Einzelstarter und unterbreche auch nicht mein Rennen, sondern fahre immer das ganze in einem Rutsch durch. Ok, ca. 20 min fahren und dann wieder Pause von ca. 2h. Eigentlich kein großes Ding, aber von 0 auf 100 und das Beste geben in seiner Runde ist schon eine andere extreme Belastung. Und da war sie auch schon meine erste Runde. Im Sprint kam Christopher Füßlings auf mich zu, denn in der Wechselzone darf nicht gefahren werden und übergab mir das Staffelband. Vollgas ging es los, Puls am Anschlag nach 300m Strecke der erste Anstieg. Puls bei 105% und die Atmung reichte gerade noch aus um den Körper mit wichtigem Sauerstoff zu versorgen. Endlich ging es dann zur Treppe, aber was ist das?? Ein riesiger Stau davor. Ich brauchte knappe zwei Minuten, bis ich wieder auf dem Rad saß. Und wieder mit Vollgas die Runde weiterfahren konnte. Ob es flach war, Uphill, oder Downhill, immer war ich nur am Überholen. Wenn man Vollgas fahren kann prügelt man gerade so an allen anderen vorbei. Leider fährt man in kniffeligen Passagen immer wieder langsameren Bikern auf und muss seinen Rhythmus verlassen, bis man wieder überholen kann. Das kostet Kraft und Zeit. Die Zeit verflog und schon war ich an der steilsten Steigung der Strecke, dem Monte Schlacke. Wenn man hier noch richtig Dampf hat, kann man noch richtig Zeit gutmachen. So geschehen in die steilste Abfahrt direkt wieder in die Wechselzone. Auch ich übergab Füßlings das Staffelband und Stefan ging auf die Strecke. In der nächsten Minute musste ich mich erst mal erholen um wieder normal Luft zu bekommen. Meine Arbeit war für die nächsten zwei Stunden getan und ich kehrte ins Camp zurück. Hier angekommen sagte ich Martin bescheid, dass er sich auf den Weg in die Wechselzone machen solle. In diesen 24h wollte ich mich nicht von irgendwelchen Gels ernähren, sondern Festnahrung war angesagt. Dank des MTBvD Teamcamps gab es dort leckere Paella, Bratwurst, Kuchen, Wurst und Käsebrötchen, also alles was Biker braucht. Mit einem kleinen Teller Paella im Bauch und einem durstlöschenden Erdinger alkoholfrei war mein Körper bereit für die nächste Runde. Aufgrund der Staus in meiner ersten Runde war die erste Runde von der Zeit her gesehen die schlechteste, obwohl ich mich in dieser Runde am meisten ausgelastet habe. So zogen wir alle ab jetzt recht konstant unsere Runden, wobei wohl die dritte Runde bei jedem die Beste war. Zwischenzeitlich haben wir aus Interesse mal online unser Ergebnis in Kommunikationszentrale bei Dirk abgerufen. Was war da los?? Wir an Platz 10?? Die Motivation stieg bei jedem Teammitglied. Ab 20.30 Uhr war Lichtpflicht angesagt und ab 21.30 brauchte man es dann auch wirklich. Jetzt folgte der Teil, der mir im Vorfeld die meisten Bedenken bereitete. Wenn ich mal mit Licht fahre,
dann relativ entspannt ohne hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Jetzt mit Licht und Vollgas, wie sollte das enden?? Es hat alles Bestens geklappt. Die Taktik wurde zudem noch mal geändert. Wir entschlossen uns die Einerrunden bis 0 Uhr weiter durchzufahren. Die Nacht ist wirklich ein besonderes Erlebnis. Wenn man an einer Erhöhung ankommt und in die Tiefe blicken kann, wo sich nur Lichter bewegen… echt cool… viele kleine Glühwürmchen. Ab jetzt stellten wir auf die 2er Runden um. Alle dachten, dass wir in der Nacht drastisch langsamer unterwegs wären, aufgrund der länger durchzuhaltenden Streckenlänge und weil man mit Licht wohl doch vorsichtiger fährt. Aber nicht der Sauerlandexpress, der macht weiter Dampf in der Nacht, es geht ja schließlich um die Top 10. In der Nacht setzte auch immer wieder Regen ein, mal nur leichter Regen und zweimal regnete er doch stärker. Die Strecke wurde dadurch aber unheimlich griffig und deshalb empfanden die Biker das ganze nicht so schlimm. Als ich wieder so gegen sieben auf die Strecke durfte, war die Strecke nicht mehr gar so nass und trocknete immer weiter ab. Wir haben uns einen 3-Kampf mit anderen Teams um den 9. Platz geliefert und wollten unsere Taktik zum Schluss hin ändern, aber dazu sollte es dann doch nicht kommen, denn um ca. 8 Uhr setzte erst starker Regen und dann Gewitter ein. Zuerst wurde das Rennen unterbrochen, dann weiter die Entscheidung verschoben, wie weiter verfahren werden sollte und um 10.30 Uhr wurde dann das Rennen aus Sicherheitsgründen abgebrochen, was auch richtig war. Eigentlich schade, denn zu diesem Zeitpunkt hatten wir 15 sec. Rückstand, die wir bestimmt wett gemacht hätten.
Es war für mich ein super Erlebnis, das mich zu einem Widerholungstäter gemacht hat.
Zufriedenheit mit dem Ergebnis:
Sehr gute Rundenzeiten, viel Spaß gehabt mit meiner Truppe

