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Viel Pech und trotzdem gute Ergebnisse beim SKS Sauerland Marathons in Grafschaft für das MTBvD A-Team

Nach einer guten Trainingswoche, einer optimalen Vorbereitung des Materials, leckeren Nudeln mit Pilzen am Vorabend und mit einem hervorragend funktionierenden Zeitplan standen Lukas, Tobias und Matthias aus dem MTBvD A-Team am Samstag am Start des SKS Sauerland Marathons in Grafschaft.

Lukas konnte aus einem der ersten Startblöcke ohne große Hindernisse direkt ins Renngeschehen auf der 59 Kilometer-Strecke eingreifen. Und obwohl erst Mitte der Woche gemeldet, bekamen auch Tobias und Matthias noch einen Startplatz in einem der mittleren Blöcke zugeordnet. Trotzdem mussten sich beide nach dem Start erst mal durch die Fahrermenge vor ihnen arbeiten. Das Streckenprofil sah zwar nahezu durchgehend breite Waldwege vor, aber für die ersten schnellen Abfahrten wollten die beiden unbedingt aus dem anfänglichen Gedränge heraus. Also wurde direkt Vollgas gefahren und schon vor der ersten Abfahrt waren beide durch das unbeschreiblich dichte Gedränge von Fahrern, in dem einem zu jedem Nachbar nur einige Zentimeter Platz blieben, bis auf wenige Meter an Lukas herangefahren.

Dann ging es in die erste Abfahrt, die den Rennverlauf für Matthias und Tobias grundlegend verändern sollten. Ein Stein schlitze Matthias’ Hinterreifen auf knapp zwei Zentimetern auf, so dass die Luft schlagartig das Weite suchte. “Ich hörte nur einen Knall, als ob ich über einen Luftballon gefahren wäre und dann musste ich auch schon zusehen, dass ich mit dem Rad von der Strecke runter komme”. Reifen runter, Schlauch raus, neuen Schlauch rein, Reifen wieder drauf, zwei CO2 Patronen reinjagen, hieß es dann unter erschwerten Bedingungen im Brennesselgestrüpp, denn ein paar Zentimeter weiter stürzte sich das restliche Fahrerfeld mit 40 km/h ins Tal. “Eine Reifenpanne auf dem Mittelstreifen der A3 im Berufsverkehr wird recht ähnlich sein”, so Matthias’ Resumée.

Nur einige hundert Meter später hatte es in der Zwischenzeit Tobias erwischt. Auch seinem tubeless-montierten Hinterrad wurde wohl ein Stein zum Verhängnis, der ein so großes Loch verursachte, dass auch die Dichtmilch nicht mehr dichtete: “Ein lauter Knall und dann spritzte das weiße Zeug schon durch die Gegend.”, so Tobias. “Ich habe dann nur noch versucht, heil von der Strecke runterzukommen ohne überfahren zu werden”. Zwar hatte auch Tobias Ersatzschlauch und Kartuschenpumpe parat, bekam das fest – zu fest – montierte Tubelessventil aber nicht aus der Felge. Matthias, der kurz nach seinem eigenen Defekt vorbeikam, versuchte zwar zu helfen, konnte aber ohne Werkzeug auch nichts ausrichten und setzte seine Aufholjagd nach wenigen Minuten fort.

Andere würden aufgeben, Tobias nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er einen Zuschauer gefunden, der ihn mit seinem Motorroller zu einem Bauernhof brachte. Auf das Klingeln an der Tür öffnete zwar niemand, aber der Rollerfahrer und gleichzeitig Freund des Bauers, wusste in welcher Scheune die Werkbank war. “Der meinte nur er, er regelt das schon und ich solle mal schauen, ob ich da finde, was ich suche. Rein in die Scheune, Zange gegriffen und nach ein paar Minuten war das Ventil draußen und der Schlauch drin.”, berichtet Tobias begeistert. Nachdem er zurück zur Strecke gebracht worden war, wartete zwar schon der Schlusswagen aber jetzt gab der 16-Jährige nur umso mehr Vollgas und nahm die Verfolgung von ganz, ganz hinten auf. Zuvor musste Tobias aber noch vier Kilometer laufend bis zur nächsten Luftpumpe zurücklegen – beim Aufpumpen war in der Hektik wohl trotz zweier Kartuschen zu viel danebengegangen.

Umso höher ist die anschließende Leistung zu bewerten. Das Ziel erreichte Tobias auf Platz 223 von 317 Fahrern der mittleren Strecke und hatte damit auf seiner Aufholjagd durch das Feld nicht weniger als 94 Fahrer wieder eingeholt.

“Wenn ich in den Ferien morgens schon um 4:45 Uhr aufstehe, dann will ich auch ein paar Punkte für die Trophy-Wertung und kein DNF (Did not finish) mit nach Hause nehmen”, so Tobias, der so erst nach rund 1:30h den Startloop hinter sich gebracht hatte, im Ziel. “Wahrscheinlich hätten wir beide an dieser Stelle weniger aggressiv fahren sollen, hier liegt schon eine Menge abseits der Idealspur im Weg rum”, ergänzt Matthias.
(Anmerkung: Auch Ralf Haupt zerlegte es den Reifen)

Das restliche Renngeschehen war fast schon unspektakulär. Sowohl Tobias als Matthias fuhren Vollgas, um wenigsten noch ein paar Minuten Zeit gutzumachen. Matthias bekam aber schon bald die Konsequenzen dieses Kraftaktes zu spüren. Jetzt in einem deutlich zu langsamen Fahrerfeld unterwegs, musste er sich ständig den Weg freirufen und kam mit seiner Einteilung von Gels und Trinkflaschen durcheinander. “Am vorletzten Berg war dann einfach Ende, da wollte ich nur noch ankommen. Der Rücken schmerzte und auf den Abfahrten zitterten die Beine. Hinsetzten ging wegen der vielen Schläge aber auch nicht – dann wäre ich abgeflogen oder hätte einen weiteren Reifendefekt, der Mantel war ja immer noch kaputt, riskiert”, berichtet Matthias. “Irgendwo – ich hatte gerade einen Riegel im Mund und konnte noch nicht mal eine Warnung rufen – hat dann noch bei rund 50 km/h einer vor mir von der rechten Waldwegspur plötzlich auf die linke gewechselt.” Eine Vollbremsung konnte gerade noch einen Zusammenstoß verhindern aber die Konzentration war danach endgültig verloren.

Für Lukas lief es deutlich besser und schneller – er wurde von Defekten verschont, versäumte es aber, seine Trinkflaschen aufzufüllen. Bei den hohen Temperaturen und der brennenden Sonne reichten die knapp 1,5 Liter nicht für drei Stunden Renntempo. “Die letzten Meter waren eine einzige Qual, mir wurde schon Schwarz vor Augen. Die Beine brannten, wollten schon lange nicht mehr, aber ich wollte noch ins Ziel”, so Lukas total erschöpft nach seiner Ankunft.

Dort war er auf nach 3:01:52 Stunden auf dem 7. Platz bei den Junioren klassiert worden. Matthias erreichte nach 3:18:27 Stunden und auf Rang 33 in der Herrenklasse den Zielbogen, Tobias wurde trotz aller Hindernisse nach 3:37:21 Stunden auf Platz 8. Platz der Junioren gezählt.

Aus sportlicher Sicht zwar größtenteils ein Wochenende zum abhaken, doch das MTBvD A-Team blickt schon wieder in die Zukunft. Tobias optimistisch: “Aus Fehlern lernt man. Wenn wir auch in Zukunft keine Reifendefekte verhindern können, so passieren uns die anderen Fehlentscheidungen bestimmt kein zweites Mal”.

Für das MTBvD Racing A-Team geht es auch direkt weiter. Tobias und Matthias starten am kommenden Sonntag, 29. August, beim 2. Wildwald-Vosswinkel Marathon in Wickede.

Der Tag in Bildern


Schon beim Warmfahren war es warm. Mittags notierten die Offiziellen dann 29 Grad.


Tobias bei der Zieldurchfahrt. Mehr als 60km, 1550 Höhenmeter und ein schwieriger technischer Defekt lagen zu diesem Zeitpunkt hinter ihm.


Brauchte weder Pumpe noch Schlauch: Lukas Löttert wurde von Pannen verschont.


Tobias, Lukas und Matthias nach dem Rennen. Die Ergebnislisten wurden erst mit langer Verzögerung ausgedruckt und waren auch am Abend noch nicht im Internet abzurufen.


Egal. REKOM ist eh der beste Trainingsbereich.

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