Saisonstart beim XCM Saalhausen Marathon 2011

Hatten sich Tobias und Matthias aus organisatorischen Gründen bisher aus dem Renngeschäft in der Saison 2011 zurückgehalten, so sollte der Marathon in Saalhausen am vergangenen Samstag der Auftakt für die Saison werden. Auf dem Plan standen 35km mit 1.125 Höhenmeter. Das Höhenprofil versprach steilste Anstiege und steile Abfahrten.

In der Vorwoche wurde klar: Die neuen neuen Poison Graphene-Rahmen, die Race-Bikes für die Saison 2011,  können nicht rechtzeitig fertig werden werden. Die Kurbeln hatten es nicht rechtzeitig in die Teamwerkstatt geschafft. Also musste altbewährte Technik an den Start gehen: die Mescalin Hardtails. Eigentlich für das Training nur noch mit preisgünstigen, robusten Teilen ausgestattet, wurden die Bikes für den Marathon in Saalhausen noch kurzfristig hochgerüstet und bekamen eine Magura Marta SL Bremsanlage, Magura Durin Federgabeln und leichtere FRM333-Felgen verbaut. Und dann war da noch die Reifenwahl. Schotter, lange Anstiege auf Forstwegen und technische Anspruchslosigkeit waren im Gespräch mit Teammitgliedern angekündigt worden. Eine gute Möglichkeit, die neuen Michelin wild racer’ 2011 Reifen zu testen. Diese hielten zwar nicht das versprochene Gewicht, aber rollten bei ersten Tests mit 2,15bar in der Ebene hervorragend. Die Katalogangabe von 495g in der 2.00″ breiten Version ist aber nur eine Katalogangabe. Die Reifen wogen 546g/555g/555g/558g. Gewicht hin oder her: Zur Pannensicherheit setzte das Team den Luftdruck sogar später noch ein wenig höher. Das sollte ein Fehler sein.

Ungünstig war nicht nur die falsche Einschätzung der Strecke sondern auch Tobias’ Trainingssturz. Bei der abschließenden Testfahrt nach den Umbauarbeiten am Donnerstag rutschte er in einer steilen Abfahrt auf einer Abraumhalde mit dem Vorderrad weg, stürzte mit einem Salto über den Lenker und kam auf der Seite auf. Bis auf zahlreiche Schürfwunden, die mit Wasser aus den Trinfklaschen gespült und mit Sprühpflaster erstbehandelt wurden, war zwar körperlich nicht viel passiert – aber die Prellungen sollte Tobias auch noch im Rennen zu spüren bekommen. Aber erst mal hieß es für die Fahrer nach einer hervorragenden Portion Spaghetti am Vorabend, nur noch duschen und sich ins Bett fallen lassen -  denn schon um 3:45 Uhr klingelte der Wecker, um rechtzeitig im 180km entfernten Saalhausen zu sein. Trotz der frühen Uhrzeit verzichtete das Team natürlich nicht auf ein gutes Frühstück mit Müsli, Brot, frischem Obst und einem heißen Cappuccino.

Nach dem Startschuss ging es erst mal kreuz und quer durch den Ort hindurch, um das Fahrerfeld zu entzerren. Mit hoher Geschwindigkeit ging es in den ersten Forstweg und von da an sollte es für die nächste halbe Stunde nur noch bergauf gehen. Die Fahrer der Mitteldistanz waren zeitgleich mit der Kurzstrecke gestartet und die Schnellsten arbeiteten sich jetzt durch das Fahrerfeld hindurch. Tobias merkte derweil schon am ersten Anstieg, dass heute nicht sein Tag war. Das Handgelenk war beim Sturz in Mitleidenschaft gezogen und schmerzte beim Aufstützen auf dem Lenker. Der Puls war hoch, aber die Beine wollten einfach nicht. Es tat von Anfang an weh, aber es ging nicht den Berg hoch. Auch die mittlerweile hohen Temperaturen in der Sonne machten ihm zu schaffen. “Am letzten Anstieg vor dem Ziel war bei mir Schluss. Es waren nur noch fünf Meter. Es war so oder so schon nur noch mein Verlangen, das dort hoch wollte. Aber dann hat ein Muskel nach dem anderen dicht gemacht, und gekrampft. Sowas hatte ich noch nie”, so Tobias. Schon im ersten Anstieg konnter er die Geschwindigkeit von Matthias nicht mehr mitgehen. Der sollte am Ende eine halbe Stunde Vorsprung herausgefahren haben.

Doch dafür musste auch Matthias kämpfen. Allerdings überhaupt nicht mit schlechten Beinen sondern mit starken Rückenschmerzen: “Die Beine waren hervorragend, das Problem war der Rücken, der schon am ersten Anstieg auf Schmerz geschaltet hat – erst zur Rennmitte habe ich das irgendwie in den Griff bekommen”. Vor dem Start hatte zudem der Geschwindigkeitssensor seines Polar-Pulscomputer den Betrieb eingestellt. Aber dank der auf den Höhenprofilen aufgedruckten Starthöhe konnte Matthias’ den Computer noch auf die richtige Höhe kalibrieren. In Verbindung mit den Höhenangaben auf dem Höhenprofil am Lenker, wusste er so auch ganz ohne Entfernungsangabe unterwegs immer, wo im Streckenverlauf er sich gerade befand.

An der ersten Streckenteilung bogen die Teamfahrer auf die Kurzstrecke mit 35km ab. Mit Forstwegen war plötzlich Schluss. Es ging zwar weiter durch den Forst, aber nunmehr ohne Weg. Die Saalhausener Streckenplaner hatten wahrscheinlich alles was sie an Pfaden und Trails finden konnten in ihre Strecke integriert. Streckentechnisch ist ihnen damit ein einmaliger Marathon gelungen, nur waren die Teambikes darauf überhaupt nicht eingerichtet. Aufgrund des hohen Reifenluftdrucks war praktisch keine Federung vorhanden. Handtuchbreite Trails,  schmale Pfade, mitten durchs Gebüsch – oftmals konnte man nur schieben, so steil waren die Wege. Bergab ging es über Wurzeln, Felsen, Schotter und das stets steil und mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h. Matthias: “Ich dachte zwischenzeitlich, das hält das Rad nicht aus.” Auch kurz vor dem Zielbereich führte man die Fahrer in Schlangenlinien zwischen Bäumen hindurch über lockeren Waldboden. Viele Fahrer, einer davon sogar mit Gepäckträger ausgestattet, hatten ihre Probleme mit diesen steilen, technischen Trails bergab. Doch die beiden Fahrer des Teams MTBvD / Poison-Bikes konnten hier ihren technischen Vorteil ausspielen: “Wir sind genau solche Strecken aus den CC-Rennen gewöhnt. Da müssen wir da auch schnell runterkommen”, erklärt Tobias.

Mit einer Zeit von 02:06:36.350 Stunden stand für Matthias im Ziel Platz 48 von 166 Fahrern auf der Kurzstrecke fest, in seiner Altersklasse reichte es damit für Platz 13 von 21 Startern. Bei den Männern gewann Mathias Göbel vom Team Radwerk Upland mit einer Zeit von 01:52:43 Stunden. Gesamtschnellster wurde Björn Tillberg vom MTB-RACE-Team-Höxter mit einer Zeit von 01:45:41 Stunden, der somit auch den ersten Platz in der Junioren-Wertung belegte. Tobias kam nach einer Fahrzeit von 02:36:16.134 Stunden ins Ziel, was bei den Junioren Platz 10 von 12 entsprach und ihn in der Gesamtwertung auf Platz 123 positionierte.

Beim Marathon in Saalhausen kam zudem erstmal in diesem Jahr das neue Logistikkonzept des Teams MTBvD / Poison-Bikes zum Tragen. Durch die Bereitstellung aller Materialien in nestbaren Standard-Behälter, in denen alles seinen festen Platz hat, und optimierten Verantwortlichkeiten konnte der Packaufwand minimiert werden. Die Behälter passen zudem universell in alle Fahrzeuge, die das Team nutzt, und füllen den Laderaum stets optimal aus. Viele Racer kennen den Aufwand, den ein Marathon oder Rennen mit sich bringt: Räder warten, putzen, kontrollieren. Bekleidung, Pulscomputer und Brille zusammensuchen. Trinkflaschen und Riegels sowie Gels vorbereiten. Im Anschluss die Räder reinigen, Trinfklaschen säubern und Wäsche waschen. All das sind nur einige Aufgaben, die erledigt und koordiniert werden müssen.

Tobias’ Bilanz des Wochenendes fällt daher positiv aus: “Unser Logistik-Konzept hat sich absolut bewährt. Wir bereiten im Vergleich zu früher heute einen Marathon in einem Bruchteil der Zeit vor- und nach. Trotzdem verzichten wir auf nichts und haben auch stets alles was wir brauchen in perfektem Zustand dabei.” “Standards, Standards und noch mehr Standards sind hier das Geheimnis. Man sollte nicht jedes Wochenende das Rad neu erfinden.”, ergänzt Matthias.

Das nächste Rennen steht für das Team MTBvD / Poison-Bikes schon am kommenden Wochenende an. Am Sonntag stehen die Fahrer in Oelde-Beckum beim ersten Lauf des SKS NRW-Cups am Start. Ebenfalls vor Ort wird dann erstmalig in dieser Saison auch MTBvD-Castle ein.

Ergebnislisten aus Saalhausen beim Zeitnehmer

  1. M:::::
    21. Mai 2011, 20:35 | #1

    wg Michelinreifen:
    Meine wiegen in 2,00 497 und 501 gr.
    Sind leider aber im Vergleich zum Vorjahr etwas schmaler geworden :(

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