Sauerland Marathon in Grafschaft: Mit viel Einsatz auf Platz 6
Nach einer Fahrzeit von 2:12:11 Stunden erreichte MTBvD / POISON-Bikes Fahrer Matthias beim Sauerland Marathon in Grafschaft auf der 47km-Kurzstrecke am vergangen Samstag den 6. Platz in seiner Altersklasse. Bei 200 Fahrern auf der Kurzstrecke belegte er damit den 34. Platz in der Gesamtwertung und war damit bester MTBvD-Fahrer auf der Kurzstrecke.
Samstagmorgen, 4.20 Uhr – zu früh ist zu früh. Aber es hilft nichts. Grafschaft und damit der Sauerland-Marathon liegen nun mal im Sauerland. Bevor es auf die 47 Kilometer lange und mit 1.195 Höhenmetern versehene Marathon- strecke geht, geht es für Matthias vom Team MTBvD / POISON-BIKES begleitet vom Sonnenaufgang erst ein Mal quer durch das Ruhrgebiet. Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund – das braucht Zeit. Dementsprechend unchristlich früh klingelte auch der Wecker.
Drei Stunden und ein gutes Frühstück später sowie rund 180 Kilometer weiter östlich – das Sauerland präsentiert sich so früh am Morgen auch dieses Wochenende unfreundlich. Von der Sonne ist nichts mehr zu sehen. Dichte Nebelschwaden wabbern durch die Täler, das Thermometer ist mit 8,5 Grad Außentemperatur kurz davor eine Schneeflocke anzuzeigen und irgendeine Straßensperrung nötigt erneut zu Umleitungen auf Nebenstrecken. Als Großstadtkind kann man mit verbundenen Augen durch vierspurige Autobahnkreuze navigieren, aber mit diesen gefühlt nur einen Meter breiten Landstraßen nebst abwechslungsreichem Gegenverkehr trotzdem nicht klar kommen.
In Grafschaft sieht die Welt dafür schon wieder besser aus – und wärmer. Ganz im Gegenteil: Es ist zu warm. Schon beim Aufwärmen auf dem Rollentrainer, es ist gerade mal 9 Uhr, brennt die Sonne vom Himmel und sorgt für ordentlichen Flüssigkeitsverlust. Matthias kippt vorsorglich schon mal genug Flüssigkeit von POWERBAR in sich hinein. Auf der Marathonstrecke muss er mit seinen zwei Trinkflaschen knappe zwei Stunden lang auskommen. Anhalten an der Verpflegungsstation kostet wertvolle Zeit und ist nur im Notfall vorgesehen.
Aufgrund seiner späten Anmeldung muss Matthias aus einem der letzten Startblöcke auf die Kurzstrecke gehen. Daher geht nach dem Startschuss auch erst mal nicht viel – das Feld steht. Gemächlich setzten sich die Biker in Bewegung. Wir haben doch keine Zeit! Jetzt ist es an der Zeit, all das zu tun was man auf einer Bundesautobahn nicht darf – Vollgas, rechts überholen, quer nach links ziehen, durch den Grünstreifen und wieder quer nach rechts. Hauptsache irgendwie nach vorne. Nach dem obligatorischen Startmassaker ist vergleichsweise schnell Ruhe im Feld. Nach dem Start geht es für die Fahrer zur Entzerrung erst mal in den umliegenden Wald um kurz darauf zurück nach Grafschaft geführt zu werden. Matthias erklärt dem Fahrer in seinem Windschatten, dass er jetzt die Lücke auf die Gruppe vor ihnen zufährt aber dann auch mal ein bisschen Einsatz erwartet. Der angesprochene Holländer erzählt auf Englisch was von einer Knieverletzung und davon, dass er morgen noch ein Rennen fahren muss – revanchiert sich in der nächsten Flachpassage aber trotzdem mit einem Höllentempo und Windschatten. Geht doch.
Matthias fliegt in einer Dreier-Gruppe den Berg hinab. Der Forstweg macht eine leichte Biegung. Kurve? Scharfe Kurve? Überhaupt keine Kurve? Bei 65 km/h Spitzengeschwindigkeit ist das weder gut zu erkennen, noch hat man viel Zeit zum Überlegen. Die vorauseilenden Fahrer fahren die Passage an, als ob es nur leicht um die Ecke geht – sie liegen alle falsch. Es ist eine scharfe Linkskurve. Geradeaus geht es dutzende Meter bergab in den Wald. Vollbremsung, alles ziehen was geht, die Magura Marta Bremsen packen zu, Gewicht nach hinten und auf den Sattel. Bremsen, bremsen, bremsen! Alle drei bringen ihre Bikes erst einige Meter vor der Wegkante zum Stehen und drehen in die Kurve.
Die Streckenführung des Sauerland Marathons ist in gewisser Weise langweilig und doch anspruchsvoll. Drei steile Anstiege mit darauf folgenden nicht minder steilen Abfahrten reihen sich aneinander. Kurz nach der Streckenteilung auf die Kurzstrecke gibt es mal eine 30 Meter lange Bergaufpassage mit knöcheltiefem Schlamm auf der Fahren nicht möglich ist. Darauf folgen 50 Meter Singletrail. Der Rest der Strecke spielt sich auf Asphalt- oder Forstwegen ab. In den Anstiegen muss man Alles aus sich heraus holen und danach trotzdem noch genug Energie haben, um die notwendige Konzentration für die folgende Abfahrt zu haben. Bei diesem Tempo wird auf einem Hardtail jede Bodenwelle ungedämpft an den Fahrer weitergegeben. Hier runterzukommen ist richtig Arbeit.
Die Sonne brennt zwar vom Himmel, die Strecken im Wald sind aber immer noch feucht und matschig. Die Michelin Wild race’r Reifen rollen richtig gut, an allen feuchten Stellen fährt die Angst wegzurutschen trotzdem mit. Matthias Problem in den zahlreichen steilen Abfahrten ist sein geringes Gewicht. Obwohl er keinen Finger an der Bremse hat, rauscht der ein oder andere korpulentere Biker bergab schlichtweg vorbei. Nur mit Risiko können ein paar Sekunden gewonnen werden: Während die Fahrer um ihn herum noch ob der riesigen Pfütze vor ihnen abbremsen und einen Weg am Rand suchen, knallt Matthias mitten hindurch. Auf den zahlreichen Passagen mit Gegenwind auf den Hocheben ist er wieder auf sich alleine gestellt. Ohne passenden Partner, der das gleiche Tempo fährt, muss man hier richtig kämpfen.
Irgendwann rächen sich die mittlerweile hohen Temperaturen, die feuchte Luft, die starken Anstiege und ein gewisses Schlafdefizit – der Puls will nicht mehr in den Spitzenbereich. Matthias muss sich jetzt zwingen, die Trittfrequenz hoch zu halten. Die letzten kleinen Gegenanstiege zurück nach Grafschaft sind eine einzige Qual. Der letzte Kilometer hinein nach Grafschaft, alleine bei 30 km/h im Wind, ist es auch.
Nachdem das Poison Graphene wieder im Kofferraum liegt, kommt es noch, wie es in Grafschaft wohl dazugehört . Eine Wespe krabbelt Matthias in den Ärmel und entscheidet sich am Oberarm zum Zustechen. Im Anschluss noch mal 130 Kilometer zurück in die Zivilisation, zwischendurch ein bisschen im Stau stehen, ein paar Gallonen Diesel in den Tank kippen und dann – Schlafen, nur noch Schlafen.


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