Pleiten Pech und Pannen…
…gab es für Toni Rudolph bei seinen letzten Renneinsätzen im Harzer Mountainbike- und Mitteldeutschlandcup. Gleich drei Rennen in 2 Wochen standen für ihn auf dem Plan: Am 27.8. der Schierker Endurothon im Harz, gleich am nächsten Tag galt es im Erzgebirge den 5. Lauf zum MDC-XC in Altenberg zu bestreiten und zu guter Letzt war eine Woche später noch der Finallauf der Mitteldeutschlandcupserie in Dresden unter die Stollen zu nehmen. Drei Rennen wie sie ereignisreicher fast nicht hätten sein können. Entsprechend viel gibt es für ihn zu berichten.
27.8. Schierker Endurothon
Eigentlich hatte ich den Einsatz zum Endurothon in Schierke schon abgeschrieben, stand ich doch in der Cup-Wertung nicht besonders gut da und hatte am nächsten Tag mit dem Cross Country Rennen in Altenberg gleich die nächste Herausforderung im Programm. Die vom Veranstalter angekündigte doppelte Punktzahl für die Gesamtwertung, sowie die oft gelobte, für mich aber noch unbekannte Strecke zogen mich dann aber doch nach Schierke. Als wäre mir die Entscheidung nicht schon schwer genug gefallen, zeigte sich der Harz bei der Anfahrt auch noch von seiner besten Seite: nebelverhangen und regnerisch. Schnell die Startunterlagen abgeholt und sich vor dem Start ins Auto zurück gezogen. Der anhaltende Regen, die resignierend abfahrenden Autos und die Aussicht am nächsten Tag noch ein Rennen zu fahren, ließen meine Motivation konsequent gegen Null sinken. Egal, am Start stand ich 11:00 dann trotzdem.
Nach einer recht langen Fahrt hinter dem Führungswagen, die sich mal wieder aufgrund drängelnder Zeitgenossen gefährlicher als das ganze Rennen herausstellte (nur knapp entgingen mehrmals einige einem Sturz), ging es dann auch los. Sofort wurde in der Spitzengruppe, der recht kurzen Renndistanz von 39km entsprechend, sofort ordentlich am Gas gegeben. Heute ging es für mich aber nicht darum auf den vordersten Plätzen zu landen, sondern ausreichend viele Punkte für den Harz-Cup mitzunehmen und trotzdem für das Rennen am nächsten Tag fit zu sein. Die Strecke erwies sich gemäß dem Wetter als sehr aufgeweicht und schlammig, aber dennoch gut fahrbar. So sortierte ich mich in einer Gruppe 4-köpfigen Gruppe im Kampf um Platz 8 ein, Platz 7 und 6 waren in Sichtweite. Die Strecke erwies sich gemäß dem Wetter als sehr aufgeweicht und schlammig, aber dennoch gut fahrbar. Bereits nach den ersten Anstiegen und Abfahrten platzte die Grupe auseinander und ich war nur noch mit einem Mitstreiter unterwegs. Nach kurzer Absprache in der ersten Rundendurchfahrt teilte er mir mit, dass er in der Mastersklasse startet. Somit konnten wir gut zusammenarbeiten, ohne einander ausstechen zu müssen. So verlief die zweite Runde recht ereignislos und Platz 8 oder 9 gesamt schien gesichert.
Bei einer Überrundung am Dach der Strecke passierte es dann: ich kam mit meinem Vorderreifen beim Fahren neben der Strecke in irgendetwas dazwischen, was sich unter dem Gras nicht erkennen ließ. Ein lauter Knall und platt war mein Reifen. mir hatte es sowohl Karkasse als auch Schlauch V-förmig aufgeschnitten, Flicken unmöglich und auch ein Schlauchwechsel würde nur zum nächsten Platten führen. Ohne groß zu überlegen was ich da eigentlich tat, fuhr ich auf Felge und plattem Mantel weiter, es ging ja nahezu nur noch bergab. Einige Positionen hab ich dadurch natürlich noch verloren und kam als 18. gesamt und 15. in meiner Altersklasse ins Ziel. Ein ängstlicher Blick auf meine Felge überraschte mich dann schon ganz schön. Das Laufrad lief noch ohne Acht kerzengerade wie vorher, nur das Felgenhorn hatte einige kleinere Dellen und Kratzer abbekommen. Zur Nachahmung allerdings nicht empfohlen!!!!!
In der Gesamtwertung rutschte ich durch die Regelung mit der doppelten Punktzahl von Platz 11 auf Platz 16 zurück, ärgerlich, aber nach den verkorksten Rennen in Bad Harzburg und Altenau galt es ohnehin nur noch Schadensbegrenzung zu betreiben. Gar nicht lange gewartet und auf ging es zurück in die Heimat nach Thüringen um Fahrer und Material für den nächsten Tag vom Schlamm zu befreien und wieder fit zu machen.
28.8. 5. Lauf MDC Altenberg
5:30. Der Wecker klingelt, die Beine sind müde und man hat eigentlich überhaupt keine Lust aufzustehen. Ideale Voraussetzungen also, um zu einem XC-Rennen zu fahren. Ordentlich gefrühstückt und dann ab ins Auto zur 2,5h langen Fahrt ins Erzgebirge nach Altenberg. Auf der A38 Richtung Leipzig bot sich dann ein Bild, was mir unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht zauberte, hinter uns (meine bessere Hälfte war zur Unterstützung und zum Fotografieren mitgereist) dunkle Wolken über den Ausläufern des Harzes und vor uns strahlender Sonnenschein. Dieser hielt sich auch bis zur Ankunft in Altenberg, wo uns, typisch Erzgebirge, eine kalte Briese um die Ohren wehte. Egal, die Sonne schien, die Laune war gut und die Beine schon wieder besser als noch beim Aufstehen.
B
eim Abfahren der Strecke stellte ich fest, dass uns hier wohl eine der schönsten CC-Strecken Mitteldeutschlands erwartete. Über die schwarze Skipiste ging es hinauf (!), dann über eine rutschige Brücke hinein in die ehemalige Bundesliga-Abfahrt, die von Wurzeln und Kurven nur so übersät war. Es machte einfach Spaß, auch wenn mein Vorderrad auf den schmierigen Wurzeln mehr als einmal die Haftung verlor. Danach ging es einen Wiesenanstieg hinauf, in die zweite Abfahrt mit 3 hintereinander folgenden kleinen Drops und nach einem kleinen Gegenanstieg eine aus Wurzeln geformte Naturtreppe herab, in eine schnelle Abfahrt zurück zum Eventgelände. Meine Beine fühlten sich ganz gut, dennoch nahm ich mir für das Rennen vor, mich erst einmal passiv zu verhalten und zu schauen welches Tempo die Konkurrenz gehen kann. Schließlich konnte ich in der Gesamtführung nach vorn nichts mehr gewinnen und musste somit meinen zweiten Platz nach hinten absichern. Aber wie so oft hieß es auch diesmal: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Nach dem Start reihte ich mich zunächst auf Position 4 ein und wollte diese Position eigentlich erstmal halten. Nachdem der Führende aber beim ersten Abzweig nach rechtsstatt nach links fahren wollte und die anderen beiden ihm kurz folgen wollten fand ich mich auf einmal an der Spitzenposition wieder, so viel zum Thema abwarten. Also Gas geben und zusehen Land zu gewinnen, dies gelang mir an der schwarzen Skipiste ganz gut und konnte als Erster in die erste Wurzelabfahrt gehen. Diese klappte dann auch sehr gut und flüssig und ein Blick nach hinten verriet mir, dass ich hier einen Vorsprung von circa 10-15 Sekunden heraus fahren konnte. Meine dann doch etwas schweren Beine und die attackierenden Verfolger bewirkten, dass die Verfolger aufschlossen und wir uns als Vierergespann formierten.
Also das zweite Mal die Skipiste hinauf und das zweite Mal führend in die Abfahrt. Anders als in der ersten Runde lief es diesmal aber so gar nicht, mein Vorderrad rutschte ständig weg und ich musste mehrmals nahezu akrobatische Einlagen hinlegen, um auf dem Rad zu bleiben. So konnten mich dann 2 Fahrer überholen und ich fand mich auf Position 3 wieder. Nachdem die beiden vorbei waren, befürchtete ich, sie würden mir jetzt, wo sie freie Fahrt hatten, davon fahren. Dem war aber nicht so und daher konnte ich mich in Schlagdistanz zu Heiko halten.
In Runde drei wurde mir dann aber die technische Wurzelabfahrt endgültig zum Verhängnis. Mir ging in einer Kurve das Vorderrad weg und ich landete schmerzhaft auf dem Oberschenkel. Zu allem Überfluss hatte ich mir dabei auch noch einen Kettenklemmer eingefangen, weshalb ich mein hinteres Laufrad ausbauen und die Kette wieder heraus angeln musste. So war nicht nur Platz 3 futsch, sondern der bis dahin Viertplatzierte konnte mich auch noch überholen. Mit schmerzendem Oberschenkel, einem Schuss zu viel Respekt vor den Wurzeln und (wie sollte es anders sein) einer Überrundeten die an einer entscheidenden Stelle nicht schnell genug Platz machte, konnte ich nur noch den 5.Platz ins Ziel fahren.
Auf der einen Seite bin ich über das Ergebnis enttäuscht, da ohne fahrteschnische Fehler weit mehr drin gewesen wäre, auf der anderen aber auch stolz, mit einem Rennen vom Vortag in den Beinen, vorne mitfahren zu können. Für die Gesamtwertung bedeutete dies zudem keine Katastrophe, da mein schärfster Verfolger nur Platz 7 einfahren konnte. So gab es zumindest um den zweiten Platz ein echtes Finale in Dresden.
4.9. Finallauf MDC Dresden
Finale in Dresden, die Zielstellung war klar: nochmal ein gutes Resultat zum Abschluss erzielen und Platz 2 in der Gesamtwertung halten. Die Jungsvom RC Dresden haben mitten in der Elbstadt auf einem circa 30m hohen Wiesenhügel in Anlehnung an die Olympiastrecke von London einen Parcours abgesteckt, der durch ein Steinfeld und Holzrampen dem technischen Anspruch eines Cross Country Rennens gerecht wurde. Zunächst war ich demgegenüber noch recht skeptisch, merkte aber beim Abfahren schnell, dass die Strecke doch ganz interessant war, auch wenn sie mit einer Naturstrecke nicht mithalten konnte. Also ab in die Startaufstellung. ein letztes Mal noch nach der Gesamtwertung geordnet werden und schon ging es los.
Nach der Startloop ging es steil neben einer Treppe hoch. Hier wollte ich nicht im Getümmel stecken bleiben, also übernahm ich auf der Wiese, die als Einführungsrunde diente, die Führungsarbeit im Wind. Mein Plan ging auf und ich konnte mich an Position eins festsetzen. die steilen Anstiege mit teilweise 180 Grad Kurven lagen mir gut, das Steinfeld und ersten Rampen konnte ich flüssig nehmen und so hatte ich bereits ein bisschen Luft gewonnen. Doch noch während ich versuchte mein Tempo, welches ich über die dreiviertel Stunde Renndauer gehen kann, zu finden, knackte es bedrohlich in meinem Antrieb. Ein paar Kurbelumdrehungen später ging nichts mehr, unter lautem Krachen aus dem Freilauf heraus drehte die Kurbel ohne Last anzunehmen völlig durch. Wie sich später herausstellte, hatte sich der Ring, der die Sperrklinken im Freilauf zurück drückt in Wohlgefallen aufgelöst
Das wars also. Nicht nur ein womöglich gutes Resultat, sondern auch der zweite Platz in der Gesamtwertung waren somit dahin (der Finallauf darf nicht als Streichwertung genommen werden).Danach war ich erstmal eine Weile nicht ansprechbereit… Die Enttäuschung, auf diese Art und Weise zu verlieren war entsprechend groß und ich suchte Ablenkung darin, meinen eigentlichen Kontrahenten, aber auch über die MDC-Saison hinweg guten Bekannten Stefan Donner bei der Gluthitze (es gab nur eine kurze Passage mit Schatten) mit Wasser zu versorgen, er hatte ohne Trinkflasche sichtlich zu kämpfen.
Letzten Endes landete ich auf Platz 4 in der Gesamtwertung und kann nun, mit etwas Abstand, auf eine doch recht erfolgreiche erste MDC-Saison zurückblicken und kann aus meiner reinen Leistung heraus Hoffnung auf ein gutes Ergebnis bei der Hobby CC-DM in Bad Salzdetfurth am 24.9. schöpfen. (Achtung! Auf der MDC-XC Website werde ich noch auf Platz 2 geführt, da ist allerdings der letzte Lauf als Streichergebnis eingearbeitet. Kontakt mit dem Veranstalter diesbezüglich habe ich bereits aufgenommen, warte aber noch auf eine Antwort. Gemäß Ausschreibung und Ehrung am Veranstaltungstag bin ich Vierter.)





