Technik-Tipp (3): Sattel neu lackieren – aufgehübscht in die neue Saison
Der Winter ist traditionell die Zeit der Werkstatt. Viele Mountainbiker investieren in neue Teile, andere unterziehen die bestehenden Komponenten einer gründlichen Revision. Dieses Jahr blieben auch die Sättel nicht unangetastet.
„Sie können jede Farbe haben, solange es Schwarz ist.“ – Eine Aussage, die dem Autobauer Henry Ford zugeschrieben wird, aber augenscheinlich auch bei den meisten Sattelherstellern zur Modellgestaltung passt. Die meisten Ledersättel an Mountainbikes sind schwarz. Das ist robust, passt zu den meisten Rahmendesigns und lässt Verschmutzungen nicht so leicht erkennen. Trotzdem leiden auch schwarze Ledersättel mit der Zeit. Stürze bringen Schäden und Risse. Die ständige Reibung zwischen Hose und Sattel lässt die Farbe verblassen und das Leder brüchig werden. Noch schlimmer stellt sich die Situation bei weißen Sätteln dar. Hier sieht man die Verschmutzungen umso deutlicher.
Unser hier gezeigtes Exemplar war zwei Jahre im Renneinsatz, hat tausende Kilometer und einige Stürze überlebt. Das Resultat waren einige kleine Schäden im Bezug, ein Riss an der Flanke und ein insgesamt sehr dreckiges, abgewetztes Aussehen. Auch löste sich teilweise das Leder unter dem Sattel. Da es sich um ein leichtes und dementsprechend teures Selle Italia SLR Carbonio Modell mit einem Verkaufspreis von rund 130 Euro handelt, war ein Austausch keine Option. Grundsätzlich war – abgesehen vom Aussehen – gegen den Sattel auch nichts einzuwenden – das Ziel war also primär eine gewisse Aufhübschung.
Wir fragten bei einem der größten Hersteller für Aufbereitungsprodukte im Lederbereich nach und bekamen eine freundliche, aber ernüchternde Antwort: “Der Riss im Sattel ist nicht reparabel – das Leder müsste ausgetauscht werden. Die gesamte Zurichtung des Leders ist herunter und müsste neu aufgebaut werden.” Mit Lackiererfahrung und Werkstattausstattung ließe sich unter Umständen noch eine Neulackierung durchführen.
Lackiererfahrung? Nicht vorhanden. Aber irgendwann ist immer das erste Mal.
Am Anfang stand eine gründliche Reinigung. Hierzu wurde der Sattel demontiert und in ein heißes Bad mit “Vanish Oxi Action”, einem Pulver mit “kraftvollem Aktiv-Sauerstof”, gelegt und erbarmungslos gebürstet. Nach gründlicher Trocknung ging es an die Reparatur der Schadstellen.
Das sich lösende Leder unter dem Sattel wurde mit einem 1-Komponenten-Sekundenkleber neu befestigt. Die Löcher im Lederbezug wurden mit weißem Montagekleber gefüllt. Mit Montagekleber wurde auch der Riss an der Flanke gefüllt und mit Sekundenkleber überdeckt. Mit Schleifpapier und Schlüsselfeile wurde die reparierte Stelle im Anschluss noch modelliert und geglättet.
Nun wurde der Sattel mit Hilfe von Isopropanol (Alkohol) gründlich entfettet und mit Schleifpapier die Oberfläche etwas angeschliffen. Die Ziernähte sowie das Gestell wurden abgeklebt und die als Halter montierte Sattelstütze in Plastikfolie verpackt.
In einer improvisierten “Lackierkabine” wurde schließlich aus einer Spraydose weiße Lederfarbe (400ml, ca. 15 Euro) in Sprühstößen möglichst gleichmäßig aufgetragen. Der Karton sorgt dafür, dass sich der Sprühnebel nicht überall im Raum niederlegt. Stellen, an denen zu viel Lack gelandet war, konnten mit etwas Druckluft noch verteilt und geglättet werden. Gründlich trocknen lassen und – fertig.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Schriftzüge sind zwar nun verdeckt aber das Erscheinungsbild hat sich zum Positiven gewandelt. Der Materialeinsatz blieb dabei auf preisgünstigem Niveau.






